Wir stellen uns vor...
Das KiJu-Büro (Stadtjugendring Potsdam e.V.) existiert seit 2006, damals noch als von der Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ gefördertes Projekt. Seit 2009 wird es mit zwei halben Personalstellen von der Stadt Potsdam/ Fachbereich Jugend finanziert.
Grundsätzliches: Kinder und Jugendliche haben ihre eigenen Bedürfnisse und sind gewillt und in der Lage sich kritisch mit bestimmten Sachverhalten, die ihre Lebenswelt direkt betreffen auseinander zu setzen. Und – das haben die Erfahrungen in der Beteiligungsarbeit gezeigt – sie haben Spaß daran alternative Vorschläge zu erarbeiten und sich für diese zu engagieren. Die Themen der Kinder und Jugendlichen sind dabei oftmals konkreter, werden direkter geäußert und selten vorab durch die „Schablone des Möglichen“ gefiltert wie es in der erwachsenen, durchrationalisierten Welt häufig geschieht. Kinder und Jugendliche nehmen ihre Lebenswelt genau wahr und sind in der Lage, dies kritisch einzuschätzen, z.B. wenn es um fehlende öffentliche Plätze für Jugendliche, den Zustand des Spielplatzes um die Ecke, die defekten Glastonnen in der Nähe eines Kindergartens, unzureichende Verkehrsverbindungen, nicht vorhandene Graffitiwände im Stadtteil, aber auch fehlende Ausbildungsplätze oder Gewalt in der Schule geht.
Aufgabe: Das Kinder- und Jugendbüro hat die Aufgabe die politische und gemeinwesenbezogene Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Potsdam zu fördern. Dabei wird schnell deutlich, dass es sich dabei um keine einseitig nur auf Kinder und Jugendliche bezogene Aufgabe handelt, sondern die „andere Seite der Medaille“ - die kommunale Politik und Verwaltung – ebenfalls den Prozess befürworten und beginnen muss. Nicht-ernst-gemeinte (Alibi-)Kinder- und Jugendbeteiligung richtet dem subjektiven Verständnis von Demokratie wohl letztlich mehr Schaden an – das Vertrauen in Politik wird weiter geschwächt, die Motivation zum politischen Engagement sinkt.
Nutzen der Partizipation: Die Beteiligung junger Menschen zu fördern bringt nicht nur Kindern und Jugendlichen selbst etwas, sondern kommt auch dem gesellschaftlichen Leben, z.B. in einem Stadtteil, und darüber hinaus dem kommunalen demokratischen System einer (von Globalisierungs- und Individualisierungsprozessen geprägten) Gesellschaft zugute.
Für Kinder und Jugendliche? Was können sie für wesentliche Lernerfahrungen machen?
o frühzeitige Förderung politischen/ bürgerschaftlichen Engagements: z.B. „Ich kann etwas bewirken“, „Ich kann mich mit Anderen zusammenschließen“, „Das geht doch nicht – die müssen uns doch auch fragen“,
o Stärkung von Selbstbewusstsein, Meinungsbildungs- und sozialen Kompetenzen: z.B. „Ich finde heraus, was mich stört“, „Man hört mir zu“, „Ich darf meine Meinung sagen“, „Meine Gruppe und ich haben schon viel erreicht“,
o Einblicke in das „System“ Kommune: z.B. „Ach so läuft das in Potsdam“, „Es gibt engagierte, aber auch unfreundliche Politiker“, „Was? So teuer ist das?“,
o Förderung von Lebensqualität: „Die Turnhalle sieht jetzt so schön aus“, „Endlich ist das Fußballtor wieder ganz“,
o Identifikation mit dem Erreichten: z.B. „Mach' den Spielplatz nicht kaputt, den haben wir uns ausgedacht“.
Nutzen der Förderung von Beteiligung für die Kommune?
o bessere Planungen: Ergebnisse sind passgenauer und zielgruppengerechter und werden eher akzeptiert – es muss weniger oft nachgebessert werden – weniger Zerstörung durch erhöhte Akzeptanz – bedarfsgerechtere Verwendung von Finanzmitteln – neue, innovative und ideenreiche Planungen – sinnvolles Flächenmanagement
o gesellschaftliche Rückendeckung: politische Entscheidungen, die auf der Grundlage eines Beteiligungsprozesses getroffen werden, sind stärker legitimiert – öffentliche Aufmerksamkeit
o Kinder-, Jugend-, Bürgerfreundlichkeit: besserer Einblick in die Interessen, Bedarfe und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen – Erhöhung der Identifikation der EinwohnerInnen mit der Stadt – Förderung von Lebensqualität – Gestaltung des demografischen Wandels – Plus an Generationengerechtigkeit – kinder-/ jugend-/ familiengerechte Stadt, die den Rahmen für eine positive Entwicklung junger Menschen setzt
o Plus an partizipatorischer Demokratie im Gemeinwesen: Verbesserung von Kommunikation und der Informationsaustausch mit und zwischen Kindern und Jugendlichen – Stärkung einer Beteiligungskultur – Stärkung des Vertrauens junger Menschen in politische Entscheidungen und die Tätigkeit der Verwaltung – Beitrag zu den Leitbildern „Bürgerkommune“ und „kinder- und jugendfreundliche Stadt“ – Förderung von Zivilgesellschaft und Ehrenamt: engagierte Junge sind meist die engagierten Älteren!
|
Arbeitsschwerpunkte des Kinder- und Jugendbüros Potsdam |
|
1. Konkrete Projekte mit Kindern und Jugendlichen |
|
Kinder- und Jugendforen
· stadtweite Versammlungen
· Kommunalpolitik und -verwaltung als Ansprechpartner
· Schließen von Patenschaftsverträgen
· Ausgangspunkt / Plattform für Beteiligungsprojekte „von unten“ |
Beteiligungsprojekte
„von unten / bottom up“
· pädagogische Begleitung / Beratung von Kinder- und Jugendinitiativen in den Stadtteilen
· Herstellen von Patenschaften mit der Kommune
|
Beteiligung an Planungen
„von oben / top down“
· Ermöglichen von Planungsbeteiligungen (z.B. an Spielplätzen, Sport- und Freiflächen, Radwegekonzept)
à stadtteil- bzw. „nutzer“orientiert, möglichst umfassend und frühzeitig
|
punktuelle / offene Beteiligungen
z.B.:
· Beteiligungen im Rahmen der Neuauflage des Kinderstadtplanes
· BlackBox-Videoaktion („Sag Deine Meinung“)
· Kids-Reporter
· U18-Wahl
· Stadt der Kinder (Mitorganisator)
· Aktionstage an Schulen zum Thema Beteiligung |
|
2. Arbeitsschwerpunkt Struktur |
|
Vernetzung (MultiplikatorInnen / lokale Akteure, Verwaltung / Politik / PlanerInnen, andere Kommunen) |
|
strukturelle Verankerung von Beteiligung in der Stadtverwaltung Potsdam (kommunale Planungen nur unter Beteiligung/ Patenschaftsmodell) |
|
Methodik der Kinder- und Jugendpartizipation (z.B. Methoden zur Prozessbegleitung in Kinderinitiativen, Modellbauwerkstatt in der Spielplatzplanung) |
|
Schaffen von Öffentlichkeit für das Thema Beteiligung |
|
Fort- und Weiterbildung für MultiplikatorInnen (2010 geplant: Fachtag Partizipation in Potsdam, Weiterbildung „Partizipation in der Einrichtung“) |
|
Konzeptfortschreibung / Leitbild Partizipation als Prinzip |